Mein Weg in die finanzielle Freiheit – Blogparade von Fyoumoney

Ich schätze den Blog Fyoumoney sehr, weil er das ganze Thema finanzielle Freiheit und Investieren mit schöner Leichtigkeit und viel Humor vermittelt. Jetzt hat Pascal zu einer Blogparade aufgerufen mit dem Thema „Mein Weg in die finanzielle Freiheit“. Das ist mein Beitrag dazu.

Was ist meine Motivation Vermögen aufzubauen? Wie kam es dazu? Ist der Startschuss mit einer bestimmten Erkenntnis oder einem Erlebnis zu erklären?

Mich hat meine Herkunftsfamilie geprägt. Meine Eltern haben einen finanziellen Fehler gemacht, wie ihn anscheinend viele machen: sie wollten ein großes Haus auf Pump in der „Pampa“ bauen. Das führte dazu, dass mangelndes Geld das bestimmende Thema in unserer Familie wurde. Das war dann auch immer wieder Auslöser für Streitereien und führte – neben anderen Problemen – schließlich zur Scheidung meiner Eltern. Weil meine Mutter hauptsächlich aus familiären Gründen (das Grundstück hatte sie geerbt) das Haus nicht verkaufen wollte, musste sie die Finanzierung nach der Scheidung alleine aufbringen. Unterhalt bekam sie weder für sich noch für mich, weil das Haus mit einem so hohen Schätzwert in die Zugewinngemeinschaft floss, dass sich das ungefähr ausglich. Nur gut, dass sie einen guten Beruf hatte und Vollzeit plus Nebenjob arbeitete. Das Bittere daran war, dass das Haus bei der Trennung noch nicht einmal ganz fertig war, es zog sich noch Jahre hin bis meine Mutter es fertig bauen konnte. Obwohl wir auf dem Papier sehr vermögend waren, wuchs ich also eher in ärmlichen Verhältnissen auf. Ganz nebenbei wäre das Haus wahrscheinlich nur weit unter dem Schätzwert verkäuflich gewesen, wenn überhaupt. Damals als Jugendliche kannte ich natürlich die ganzen Hintergründe und Zusammenhänge nicht genau. Trotzdem war für mich klar, dass ich ein gutes Einkommen und ein eigenes Vermögen anstreben möchte. Dabei kam es mir in erster Linie darauf an, Unabhängigkeit von einem späteren Ehemann im Fall der Scheidung zu erreichen. Dazu gehört natürlich auch die finanzielle Bildung. Ich konnte es nie verstehen, wenn Frauen sich komplett abhängig von ihren Männern machen und dann bei der Scheidung oder dem Tod des Partners vor dem finanziellen Ruin stehen.

Vermögensaufbau ist eine langfristige Sache. Für viele ist die finanzielle Freiheit dabei das ultimative Ziel. Doch nicht für alle. Was ist mein Ziel? Was verspreche ich mir davon?

Finanzielle Freiheit ist durchaus mein Ziel, aber meine Definition davon ist vielleicht etwas anders. Ich arbeite nicht darauf hin, dass ich zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt meinen Job kündigen kann, um dann von meinem Vermögen zu leben. Meine Arbeit gefällt mir, genauso ist es bei meinem Mann. Wir sind beide Angestellte mit relativ verantwortungsvollen und eigenverantwortlichen Jobs, die noch dazu recht gut bezahlt werden und wir mögen unsere Kollegen. Aber wird das in 10 Jahren immer noch so sein? Umstände können sich schnell ändern. Ich habe schon mal einen Chef gehabt, der mir das tägliche Arbeitsleben richtig schwer gemacht hat. Klar ist das unangenehm, aber richtig schlimm wird es erst wenn man weiß, dass man kaum Alternativen hat. Beim aktuellen Fachkräftemangel ist das vielleicht schwer vorstellbar, aber je älter man wird, desto schwerer fällt ein Wechsel. Man hat sich einen gewissen Status erarbeitet, dementsprechend hoch ist das Gehalt. Man ist vielleicht örtlich gebunden, möchte seine Kinder nicht aus der gewohnten Umgebung rausreißen oder langjährige Freundschaften nicht aufgeben. Wenn man dann mit 50 oder 60 Jahren noch auf das Erwerbseinkommen angewiesen ist, geht das oft nur mit größeren Abstrichen. Also erträgt man den neuen Chef oder die neue Unternehmensstrategie oder die neuen intriganten Kollegen und schleppt sich täglich zur Arbeit. Ich kenne auch viele Frauen, denen mit Mitte 40 oder später plötzlich auffällt, dass sie kaum Rente bekommen werden. Sie haben sich jahrelang um die Kinder und den Haushalt gekümmert, sicherlich wertvolle Aufgaben, aber stehen dann doch mit wenig Geld da oder sind komplett vom Ehemann abhängig. Das alles möchte ich vermeiden. Sollte mir oder meinem Mann die Arbeit irgendwann keinen Spaß mehr machen und wir finden keine passenden Alternativen, dann möchte ich noch eine weitere Alternative haben. Die finanzielle Freiheit ist sozusagen mein Backup-Plan. Viele sagen, man soll keinen Plan B machen, da man dann nicht 100% hinter Plan A steht. Mag sein, das kann ich vielleicht sogar bestätigen. Ich bin sehr engagiert in meiner Arbeit, aber es gibt Grenzen. Sollten wir den Plan B bis zur regulären Rente nicht brauchen, ermöglicht er uns hoffentlich eine sehr angenehme Rentenzeit und erlaubt uns auch diese Freiheit an unsere Kinder weiterzugeben. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass wir spätestens ab 60 um jedes Jahr froh sein werden, dass wir früher in Rente gehen können.

 

Wie beeinflusst der Vermögensaufbau meinen Alltag? Leide ich unter dem Verzicht oder profitiere ich davon schon heute? Was für Lehren ziehe ich aus meinem bisherigen Weg?

Ich höre und lese viel zum Thema Vermögensaufbau und finanzielle Freiheit. Wenn andere  im Wartezimmer irgendwelche Mode- oder Klatschzeitschriften lesen, lese ich mir die neuesten Finanzblogs durch. Im Auto höre ich fast nur noch Podcasts. Das dürfte im Alltag aber kaum jemandem auffallen.

Zum Thema Verzicht habe ich kürzlich ein schönes Zitat gehört:

„Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen“ von Franz Werfel

Das trifft es aus meiner Sicht sehr schön. Ich habe wirklich wenig Bedürfnisse, mein Mann tickt genauso und auch unseren Kindern möchten wir ein gesundes Maß an Bescheidenheit mitgeben. Wir haben unsere Einstellung sicherlich in großem Maß unseren Herkunftsfamilien zu verdanken. Gleichzeitig sind viele Menschen, die in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen sind, besonders hungrig nach Konsum sobald sie ihre Ausgaben selbst bestimmen können. Wir überlegen uns vor jedem Kauf, ob er uns wirklich längere Zeit glücklich machen wird oder ob wir etwas nur aus einem Impuls heraus gerne hätten. Eine Hilfe ist oft, die Kaufentscheidung noch einmal zu vertagen, Abstand zu gewinnen und dann noch einmal frisch zu entscheiden. Shoppen ist für uns keine Beschäftigung, sondern ein notwendiges Übel. Natürlich gehe auch ich ab und zu mal mit einer Freundin gerne shoppen und entscheide mich dann spontan für den ein oder anderen Kauf. Das ist aber eher selten und dadurch auch etwas wirklich Besonderes. Ich denke, Leute die wirklich unter Verzicht leiden, wenn sie nicht regelmäßig shoppen gehen oder nicht immer die neueste Elektronik kaufen können, werden einen langfristigen Vermögensaufbau nicht durchhalten.

Versteh mich nicht falsch, wir sind keine Konsumverweigerer. Wir finden es nur zu anstrengend jeder Mode und den neuesten Produkten hinterher zu rennen. Mittlerweile haben wir unseren Frieden damit gemacht, wir sind nicht die „first mover“, meist noch nicht mal die „fast follower“ wenn es um neue Produkte geht. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Mittlerweile kauft man ja kein Produkt mehr von der Stange. Jede größere Anschaffung besteht aus zig Einzelentscheidungen. Daher müssen Vergleichstests und Bewertungen gelesen werden um dann hoffentlich das „perfekte“ Produkt zu finden. Muss ich mir das jedes Mal antun, wenn neue Handys rauskommen oder die neuesten Produkte auf der Cebit vorgestellt werden? Nein, danke! Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Außerdem hatte ich schon ein schlechtes ökologisches Gewissen, als wir unseren kaum genutzten kleinen Röhrenfernseher aus dem Schlafzimmer aussortiert haben. Der war noch aus Studienzeiten, aber hey, er funktionierte noch. Mit ein bisschen Konsumverzicht schlagen wir aus meiner Sicht drei Fliegen mit einer Klappe: Geld sparen, weniger Zeit verplempern und die Umwelt schonen.

Welche Freiheiten bietet mir mein erspartes Vermögen bereits weit vor dem Erreichen der finanziellen Freiheit?

Aktuell genieße ich eine (erwerbs-)arbeitsfreie in Form der Elternzeit. Beim ersten Kind habe ich kurz nach dem 1. Geburtstag wieder angefangen Teilzeit zu arbeiten. Zuhause ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Nach dem zweiten habe ich mir vorgenommen, länger zu Hause zu bleiben. Mich rein auf die Kindererziehung und den Haushalt zu konzentrieren ist mir zu langweilig, 20+x Stunden Arbeit wären mir dann aber doch zu viel. Das ist mit ein Grund, warum dieser Blog entstanden ist. Ich möchte mich auch mal wieder mit anderen Themen als Wäsche, Kinderkrankheiten und Windelwechseln beschäftigen.

Dass ich überhaupt die Wahl habe, nicht in die Arbeit gehen zu müssen, liegt auch an dem bereits ersparten Vermögen und den geringen Ausgaben. Eine Freundin von mir hat zwei Kinder im gleichen Alter. Ich war regelrecht geschockt, als sie mir erzählte, dass sie gerne länger zu Hause bleiben würde. Aber sie muss nach einem Jahr wieder Teilzeit arbeiten, weil sie sonst die Finanzierung für das neue Haus nicht stemmen können. Anfangs hatte ich sie noch um das moderne, große Haus beneidet, jetzt sehe ich es anders. Vermutlich wurden da schmerzliche Erinnerungen an das Schicksal meiner Eltern wach. Lieber wohne und lebe ich etwas bescheidener und kann dafür selbst entscheiden, wann und wieviel ich wieder arbeite.

Bildquelle: http://www.pexels.com

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Autor: Sabine

Ich bin Mitte 30, verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Zur Zeit befinde ich mich in Elternzeit. Ich habe BWL studiert und in den USA meinen MBA gemacht. Ich beschäftige mich gerne mit den Themen Finanzen, Technik und allen möglichen kreativen Dingen.

3 Kommentare zu „Mein Weg in die finanzielle Freiheit – Blogparade von Fyoumoney“

  1. Bin erst vor kurzem auf deinen Blog gestoßen und arbeite mich nach und nach durch. Bisher gefallen mir Themen und Schreibstil sehr gut, mach weiter so! 🙂

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